Warum gibt es nur so viele Filme, die sich gut anhören, eine gute Besetzung haben und dann relativ scheiße sind? Es ist eine Tragödie mit diesen Filmen. So auch mit „Running With Scissors„, dessen Name im Deutschen allerdings nur als Untertitel benutzt wird. Der Haupttitel lautet: „Krass!“ Da war aber ein Feingeist am Werk.
Fakten:
Regie: Ryan Murphy
Buch: Ryan Murphy, Augusten Burroughs
Darsteller: Annette Bening, Alec Baldwin, Joseph Cross, Brian Cox, Joseph Fiennes,Gwyneth Paltrow, Evan Rachel Wood, u.v.m.
Meine Bewertung:
3
Die Story:
Der junge Augusten Burroughs, nach dessen krasser Autobiografie dieser Film geschrieben wurde, wächst mit einer erfolglosen Dichterin als Mutter und einem alkoholabhängigen Vater auf. Besonders Deirdre, seine Mutter, prägt den Jungen als Kind. Später allerdings werden ihre Probleme zunehmend schlimmer. Sie sucht einen Psychiater, Dr. Finch, auf, der ihr Pillen verschreibt und zur Sicherheit ihren Sohn bei sich in seiner ziemlich skurrilen Familie aufnimmt. Er hat zwei Töchter und einen schwulen Adoptivsohn, Neil, den er allerdings wegen seiner Schizophrenie aus dem Haus geschmissen hat. Mit Neil beginnt Augusten eine Beziehung. Es passieren noch einige merkwürdige Dinge, die allerdings keinen größeren Zusammenhang ergeben, wie die bereits erwähnten auch, und daher hier getrost verschwiegen werden dürfen.
Die Message:
Eine Familie kann man auch dann haben, wenn seine eigentliche Familie ein totales Desaster ist.
Das Schöne am Film:
Skurrile Figuren und Gegebenheiten – allein das Haus von Dr. Finch, in dem noch der Weihnachtsbaum von vor zwei Jahren steht, ist genial. Annette Bening in der Rolle der ausgeflippten Mutter macht ihre Sache sehr gut, sie variiert praktisch alle Gemütszustände von normal bis total paranoid, dass es eine Freude ist, ihre dabei zuzuschauen. Die zarten Beziehungen im Film, die sich langsam und relativ wortlos entwickeln, wie die zwischen Augusten und Agnes, der unscheinbaren Frau von Dr. Finch, die später eher wie eine Mutter für ihn ist als seine eigene es jemals sein konnte.
Das Blöde am Film:
Dass das alles nirgendwo hinführt. Dieser Film ist eine einzige Aufzählung von schrägen Personen und Situationen, aber was bleibt am Ende? Das ungute Gefühl, dass dieser Film deutlich zu lang geraten ist und dass Alec Baldwin deutlich zu kurz zu sehen war. Bei imdb bekommt man die Empfehlung, sich, wenn man diesen Film mag, auch „Little Miss Sunshine“ und „American Beauty“ anzusehen. „Running With Scissors“ ist wie eine schlechte Kreuzung aus den beiden Filmen.
Fazit:
Um der Besetzung und der witzigen Figuren wegen darf man sich das mal ansehen, erwarten sollte man allerdings nicht allzu viel.